Seminar 1: Die Anmeldung zur Prüfung sowie Hirnorganische Psychosyndrome und Schizophrenie, schizotypische und wahnhafte Störungen

Die Anmeldung zur Prüfung:

 

Der Kurs soll die Teilnehmer ebenfalls befähigen an der schriftlichen und mündlichen Überprüfung für Psychotherapie  nach dem Heilpraktikergesetz erfolgreich teilzunehmen.

In der Überprüfung ist festzustellen, ob ausreichende Kenntnisse über die Abgrenzung heilkundlicher Tätigkeit, insbesondere im psychotherapeutischen Bereich, gegenüber Ärzten und Heilpraktikern vorbehaltenen heilkundlichen Behandlungen vorliegt.

Ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf einschlägige Krankheitsbilder vorliegen und

die Fähigkeiten vorhanden sind, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.

 

Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an der Überprüfung ist die Aneignung der Kenntnisse in den Bereichen:

  • Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Diagnostische Methoden der Psychotherapie,
  • Psychopathologie,
  • Affektive Störungen,
  • Schizophrenie und schizoaffektive Störungen,
  • Neurotische Belastungsstörungen und somatoforme Störungen
  • Persönlichkeitsstörungen, sexuelle Störungen
  • Essstörungen und Schlafstörungen
  • Störungen durch psychotrope Substanzen
  • Körperlich begründbare psychische Störungen
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Suizidität
  • Psychotherapie und psychotherapeutische Verfahren
  • Therapie mit Psychopharmaka
  • Juristische Aspekte und psychiatrische Hilfsangebote

 

Die Aneignung geschieht durch mehre Angebote:

  • Monatliche Seminarveranstaltungen
  • Begleitende Repetitorien bei/m Repetitor/in
  • Selbststudium mittels Fachliteratur und Netzstudium
  • Intensivtraining / typen orientiertes Indivdualtrainingskonzept nach dem HPG
  • Prüfungssimulation
  • Mehrtägiges Fachtraining zur Prüfung als kostenpflichtiger  Bildungsurlaub nach dem Nieders. Bildungsurlaubsgesetz. 

Nach erfolgreicher Teilnahme an der mehrmonatigen Fachfortbildung erhalten Sie ein Zertifikat des Instituts. Nach der erfolgreichen staatlichen Überprüfung wird die Urkunde zusätzlich mit dem Vermerk "Heilpraktiker/in/Psychotherapie " versehen.

Die Mitglieder des Gutachterausschusses, es handelt sich dabei jeweils um eine Fachärztin/Facharzt für Psychiatrie, eine Diplom-Psychologin oder einen Diplom-Psychologen, die oder der in der Psychotherapie erfahren ist, bzw. eine Heilpraktikerin oder ein Heilpraktiker, die oder der psychotherapeutisch tätig ist, bestimmen selbst den Inhalt der Überprüfung und haben hinsichtlich der Bewertung der Leistungen keine Beschränkung.

Die Kandidatinnen/Kandidaten müssen nachweisen, dass sie über grundlegende Kenntnisse im gesamten Bereich der Psychotherapie nachweisen, so dass eine Gefährdung von zukünftigen Patienten auszuschließen ist. Vor der mündlichen Überprüfung findet eine schriftliche Prüfung in Form eines Mutiple Choice Testverfahrens mit 28 Fragen statt.Bei der Überprüfung sind Kenntnisse:

  • in psychologischer Diagnostik
  • in Psychopathologie
  • in klinischer Psychologie
  • über die Abgrenzung heilkundlicher Tätigkeit, gegenüber den allgemein heilkundlich tätigen Personen (Ärzte, Heilpraktiker) nachzuweisen.

 

Bei der Überprüfung haben Antragsteller auch darzulegen, dass sie über ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf das einschlägige Krankheitsbild verfügen und die Befähigung haben, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.

Antragsteller sollten beachten, dass sich Überprüfung auf den gesamten Bereich der Psychotherapie erstrecken kann. Eine Beschränkung auf spezielle Therapieformen in der der Antragsteller u. U. eine spezielle Ausbildung nachweist (z. B. Kunst-, Musik-, Tanz oder Gestalttherapie), ist nicht möglich.

 

Prüfungsablauf 

Nach der erfolgreichen Schriftlichen Prüfung im Mutiple Choice-Verfahren findet ein Prüfungsgespräch statt. Im Anschluß des Prüfungsgesprächs gibt der Gutachterausschuss gegenüber der zuständigen Behörde eine gutachterliche Stellungnahme zur Frage, ob eine heilkundliche Tätigkeit des Antragstellers im Bereich der Psychotherapie eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellen würde. Das Ergebnis der Überprüfung teilt der Vorsitzende des Gutachterausschusses den Antragstellern unmittelbar nach der Überprüfung mit.

 

Kosten 

Die Erteilung einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz bzw. die Ablehnung eines Antrags sind nach den einschlägigen Vorschriften des Nieders. Verwaltungskostengesetz kostenpflichtig. Die von den zuständigen Behörden beträgt gegenwärtig ca. 500 EUR. In dieser Gebühr sind die von dem Antragsteller – anteilig – zu tragenden Kosten für den Gutachterausschuss enthalten.

Hirnorganische Psychosyndrome und Schizophrenie, schizotypische und wahnhafte Störungen

Die „Pathogenetische Trias“

Das Triadische System der Psychiatrie - "Die pathogenetische Trias" 

Die „Pathogenetischen Trias“  (= die zur Entstehung und Entwicklung einer Krankheit, führenden inneren und äußeren Faktoren betreffende Dreigliederung)  - ist das triadische System (= dreigliedrige System) der Psychiatrie. Es bildet heute noch eine wesentliche Grundlage zum Verständnis, obgleich sie nicht mehr offiziell Anwendung findet. Es untergliedert sich in die drei Bereiche:

  • Organische Psychosen
  • Endogene Psychosen
  • Psychogene Psychosen

Die drei Bereiche haben gemeinsame Schnittmengen und verdeutlichen, dass oftmals von einer multifaktoriellen Genese auszugehen ist.

Diese Einteilung hilft, verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder zu kategorisieren und sie einer Obergruppe zuzuordnen.

Bei der Morbus Alzheimer könnte man sagen: „Dieses Krankheitsbild gehört bei der Pathogenetischen Trias der Psychiatrie zur Gruppe der so genannten organischen Psychosen.“

 

Methodenblätter, Übungsblätter

Die hier als pdf-Dateien niedergelegten Übungs- und Arbeitsblätter vermitteln Ihnen erste Hilfsmittel für die heilkundliche Arbeit.

Neurosen, Psychosen, HOPs

Wirkungsfelder der Gestaltungstherapie

Pathogenetische Trias

 

Demenz-Definition:

Demenzen sind organisch bedingte psychische Störungen, die durch schwerwiegende, meist prozeßhaft fortschreitende Einbußen kognitiver Leistungen gekennzeichnet sind (ätiologisch-pathogenetisch orientierte Definition).

„Demenz“ ist ein klinisch-deskriptiver Begriff (ein syndromales klinisches Bild).

 

1) Alzheimer-Krankheit (= präsenile Demenz, senile Demenz vom Alzheimer Typ = DAT)

Präsenile Demenz, gekennzeichnet durch Hirnatrophie, pathologische Fibrillenveränderung und amyloide Plaques. Da psychopathologisch und morphologisch nicht anders als senile Demenz vom Alzheimer-Typ, heute ein Krankheitsbild.

 

Atrophie: Volumenabnahme mit Funktionsverlust von Organ(teilen), meist als Folge von Inaktivität oder Mangelernährung mit Sauerstoff und Nährstoffen.

 

Ätiopathogenese: Hypothetische Ursachen wie Aluminium-Belastung, entzündliche bzw. autoimmunologische Prozesse oder eine Slow-Virusinfektion wurden bisher nicht bewiesen. Heute kennt man verschiedene genetische Veränderungen (z.T. autosomal dominant), die das Bild des Morbus Alzheimer verursachen. Die Ursache für die häufigste sporadische Form jedoch bisher nicht bekannt. Eine multifaktorielle Genese mit einer genetischen Komponente wird für am wahrscheinlichsten gehalten.

 

Die DAT ist eine primär degenerative Erkrankung des Gehirns, die zu einer chronisch progredienten generalisierten, temporoparietal und frontal betonten Atrophie führt. Sie ist morphologisch gekennzeichnet durch amyloide Plaques (extrazellulär) und sogenannte Alzheimer-Fibrillen (intrazelluläre neurofibrilläre Knäuele im Zytoplasma der Ganglienzellen) gekennzeichnet. Sowohl die Plaques als auch die Alzheimer-Fibrillen müssen eine bestimmte Anzahl übersteigen bevor Alzheimer diagnostiziert werden kann, da sie in geringerem Ausmaß auch bei normalen Alterungsprozessen und bei anderen Erkrankungen vorkommen. Auch die Anzahl der neokortikalen Synapsen scheint im Zusammenhang mit DAT zu stehen. Außer diesen neuropathologischen Veränderungen sind bei DAT auch verschiedene Neurotransmitter-Systeme betroffen. Zu Beginn der Erkrankung liegt eine Azetylcholin-Mangel vor (kann Ursache für Gedächtnisstörung sein).

 

Symptomatologie: Erstes Symptom ist meist eine schleichend zunehmende Vergeßlichkeit. Später weitere neuropsychologische Auffälligkeiten wie: Desorientiertheit, Wortfindung- und apraktische Störungen. Am Anfang kann Erkrankung durch depressives Bild verdeckt sein. Im weiteren Verlauf können weitere neuropsychologische und psychopathologische Symptome hinzukommen. Ein Teil der Patienten erkennt die eigenen Defizite und reagiert depressiv bis hin zur Suizidalität, andere überspielen sie. Die äußere Fassade bleibt meist lange erhalten und die charakteristischen Persönlichkeitszüge treten deutlicher hervor.

Diagnostik: Psychiatrische und neurologische Untersuchung, Fremdanamnese und neuropsychologische Testuntersuchung. DAT ist eine Ausschlußdiagnose, d.h. es müssen labortechnische Untersuchungen und CCT und MRT des Gehirns zum Ausschluß anderer Demenzursachen durchgeführt werden. (z.B. durch EEG Ausschluß von Epilepsie, PET zum Ausschluß von Hirndurchblutungsstörungen, EKG zum Ausschluß von Herzinsuffizienz). Der Nachweis von Hirnatrophie oder vaskulärer Läsion im CCT oder MRT (Kernspintomograhie?)sagen nichts über kogn. Leistungsfähigkeit aus. DAT kann also nicht allein aufgrund einer vorliegenden Hirnatrophie diagnostiziert werden. Die klinisch gestellte Diagnose muß neuropathologisch (z.B. PET) gesichert werden.

 

Differentialdiagnose: Speziell zu Beginn der Erkrankung kommen depressive Bilder mit im Vordergrund stehenden kognitiven Einbußen in Betracht (insbes. depressive Pseudodemenz). Weitere Abgrenzung von vaskulären Demenzen (durch neurologische Befunde und bildgebende Verfahren auszuschließen), Demenz bei M. Parkinson, Creutzfeld-Jakob-Erkrankung, progressive Paralyse (durch Lues-Serologie auszuschließen), Korsakow-Syndrom (wenn z.B. Konfabulation im Vordergrund), M. Pick (dabei stehen aber anfangs eher die soziale als die kognitiven Störungen im Vordergrund), Normaldruck-Hydrozephalus (durch Trias Demenz, Inkontinenz & Gangstörungen gekennzeichnet), Hypothyreose und Vitamin-B12-Mangel. Depression, Normaldruck-Hydrozephalus, Hypothyreose und Vitamin-B12-Mangel sind kausal zu behandeln, wodurch zumindest Progredienz verhindert wird.

Therapie: Eine kausale Therapie ist bisher noch nicht möglich. Nootropika können den Verlauf verlangsamen und haben einen positiven Einfluß auf die Symptomatik (z.B. Zunahme der EEG Aktivität). Neue cholinerge Pharmaka sollen den Mangel an Achetylcholin beheben und so z.T. Gedächtnisleistungen verbessern. Bei psychomotorischen Unruhezuständen und Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus sind nieder-und hochpotente Neuroleptika indiziert, Dosierung bei älteren Patienten aber geringer. Dabei ist Anpassung und evtl. Absetzung besonders wichtig, da sie sich negativ auf kogn. Fähigkeiten ausübt. Psycho- und Soziotherapie, wobei insbesondere anfänglich kogn. Trainingsverfahren, im fortgeschrittenen Stadium Reorientierungstraining und Selbsterhaltungstraining (Erhaltung des Wissens um die eigene Identität z.B. durch zeigen alter Fotos) sinnvoll. Beratung der pflegenden Angehörigen in sozialer und finanzieller Hinsicht.

Verlauf: Die Patienten versterben nach ca. 10-12 Jahren nach Ausbruch der Erkrankung der Demenz an interkurrenten Erkrankungen.

 

2) Morbus Pick

Präsenile Hirnerkrankung, die bevorzugt das Frontal- und Temporalhirn betrifft. Sie beginnt mit Persönlichkeitsveränderungen, Veränderungen des Sozial- und emotionalen Verhaltens. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem fortschreitenden dementiellen Abbauprozeß.

Epidemiologie: Ein Fall zu 100 Fällen mit M. Alzheimer. Beginn ab ca. 40, Häufung zwischen 50. und 60. Lebensjahr.

Ätiopathogenese: Degeneration hauptsächlich des Frontal- und Temporalhirns, gekennzeichnet durch Auftreten sog. Pick-Zellen (angeschwollene kortikale Neurone).

Symptomatologie: Veränderung der Persönlichkeit im emot. und soz. Verhalten, Gedächtnisstörungen, Beeinträchtigung kogn. Funktionen, Sprachstörungen, Aspontaneität.

Diagnostik: Neben klinischen Symptomen, Hinweise durch CCT und MRT (=> fronto-temporal betonte Atrophie) und HM-PAO-SPECT (=> fronto-temporale Hypoperfusion).

Differentialdiagnose: M. Alzheimer, Creutzfeld-Jakob-Krankheit, Frontallappen-Demenz.

Therapie: Kausale Therapie bisher noch nicht möglich. Zur symptomatischen Therapie Einsatz von Antidepressiva (=> z.B. Antriebs- und Stimmungsstörung) und Nootropika (=> kogn. Einbußen).

 

3) Multiinfarkt-Demenz = MID (= Multiinfarkt-Enzophalopathie, M. Binswanger, Dementia lacunaris, Dementia arteriosclerotica, vaskuläre Demenz)

Durch multiple vaskulär bedingte Hirnläsionen gekennzeichnet, die bei ihrem Auftreten zu vorübergehenden oder bleibenden neurologischen Defiziten geführt haben und bei denen es in zeitlicher Übereinstimmung schrittweise zu entsprechenden kognitiven Einbußen kommt.

Definition der MID ist auf den zeitlichen Zusammenhang zu vaskulär bedingten Hirnläsionen und der neurologischen Symptomatik bezogen, da dieser Zshg. klinisch neben den pathologischen Auffälligkeiten den als typisch beschriebenen, in Schüben verlaufenden Krankheitsprozeß charakterisiert. Verwendet man den Begriff der vaskulären Demenz (VD) so geht man davon aus, daß beim Vorliegen von Grunderkrankungen wie Herzinsuffizienz, Hypotonie, Diabetes mellitus etc., diese ursächlich für die kogn. Störungen in Betracht kommen.

Häufig werden auch Verlaufskriterien mit in die Entscheidung einbezogen, so daß bei Patienten mit vaskulär bedingten Läsionen, bei denen im Verlauf kogn. Störungen auftreten, diese als wahrscheinlich vaskulär bedingt angesehen werden.

Verwendung unterschiedlicher Diagnosekriterien > Unterschiedliche Prävalenzdaten, die nur mit Kenntnis der verwendeten Kriterien interpretiert werden können.

 

Ätiopathogenese: Ursachen und Risikofaktoren der VD: Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Alter, genet. Veranlagung, Rauchen. Das Gesamtinfarktvolumen und Region der Infarkte korrelieren mit Schwere der dementiellen Prozesse.

 

Symptomatologie: Die vaskulär bedingte Demenz ist durch die begleitende neurologische Symptomatik und vaskuläre Veränderungen gekennzeichnet. Im CCT oder MRT lassen sich teilweise früh Hinweise auf eine zerebrovaskuläre Erkrankung finden. Im Frühstadium beobachtet man häufig Verhaltensauffälligkeiten als Symptome einer subkortikalen Demenz wie: Antriebsstörungen, soz. Rückzug, Apathie, Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen. Im Gegensatz zur DAT stehen anfänglich Gedächtnisstörungen seltener im Vordergrund. Nächtlich treten häufig nächtliche Verwirrtheitszustände und paranoid-halluzinatorische Episoden auf.

Diagnostik: Klinische Informationen, Anamnese und Fremdanamnese haben gegenüber technischen Untersuchungen die größere Bedeutung. Die Hachinski-Ischämie-Skala (HIS) kann die klinische Diagnose stützen (Fragen nach Verlauf, Symptomen, vorausgegangenen Krankheiten).

Therapie: Beseitigung von Risikofaktoren (z.B. Nikotinabusus, Hypertonie). Verbesserung der Hämodynamik, d.h. Behandlung einer Herzinsuffizienz oder Rhythmusstörungen. Acetylsäure, bei Unruhezuständen niederpotente Neuroleptika o. Clomethiazol, gegen kogn. Störungen Nootropika

 

Erfüllung der allgemeinen Demenzkriterien:

  • Abnahme des Gedächtnisses
  • Merkfähigkeit > Erinnerungsfähigkeit
  • modalitätsunabhängig (verbales und nonverbales Material)
  • objektiv verifiziert: Fremdanamnese und kognitive Verfahren
  • Schweregradabschätzung (leichte bis schwere Beeinträchtigung)
  • Abnahme anderer kognitiver Fähigkeiten
  • Störung der Exekutivfunktionen (Planen, Organisieren, Abstrahieren)
  • Informationsverarbeitung, Urteil- und Kritikfähigkeit
  • ggf. Werkzeugstörungen (Aphasie, Apraxie, Agnosie)
  • Verminderung der früher höheren Leistungsfähigkeit (sozial und beruflich)
  • Schweregradabschätzung (leichte bis schwere Beeinträchtigung
  • Fehlen einer Bewußtseinstrübung
  • Verminderung der Affektkontrolle (emotionale Labilität oder Reizbarkeit), des Antriebs (Apathie) oder
  • des Sozialverhaltens (Vergröberung)
  • Dauer: mind. 6 Monate
  • Kein Hinweis auf eine andere, demenzverursachende Erkrankung
  • Beginn und Verlauf schleichend.

 

Schizophrenie

Dem heutigen Verständnis nach handelt es sich bei der Schizophrenie um eine eigentlich "körperliche" Erkrankung. Nach der Dopaminhypothese liegt ihr eine Überfunktion derjenigen Anteile des Gehirns zugrunde, die den Botenstoff Dopamin verwenden. Die letztendliche Ursache dieser Veränderung ist nicht bekannt. Die Wirkung der Neuroleptika wird durch eine Hemmung der Dopaminaktivität erklärt.

Die Anlage für eine schizophrene Psychose, jedoch nicht die Erkrankung selbst wird vererbt. Wenn von einem eineiigen Zwillingspärchen der eine erkrankt, so liegt das Krankheitsrisiko für den anderen bei etwa 60-80%. Daraus kann man schließen, dass außer der genetischen Veranlagung weitere Faktoren nötig sind, damit die Krankheit ausbricht. Welcher Art diese Bedingungen sind, kann man derzeit nicht sagen. Dem Ausbruch einer Schizophrenie können Belastungssituationen vorausgehen, die jedoch als Auslöser und nicht als Ursache anzusehen sind.         

Allerdings gibt es auch andere Erklärungs- und Therapieansätze. Manche Therapeuten lehnen den Psychosebegriff in seiner "klassischen" Auslegung ab. Sie gehen beispielsweise davon aus, dass es sich bei der Schizophrenie um eine "frühe Störung" der Persönlichkeitsentwicklung handelt, die psychotherapeutisch angegangen und überwunden werden kann. Während früher von dieser Richtung häufig eine Psychosebehandlung ganz ohne Psychopharmaka gefordert wurde, geht der Trend nun eher dahin, dass möglichst wenig Medikamente eingesetzt werden.

 

Sinngemäß werden im ICD 10 folgende Gruppen von Symptomen aufgeführt:

Das Lautwerden von Gedanken oder die Überzeugung, dass sich die eigenen Gedanken ausbreiten, einem selbst entzogen oder eingegeben werden.         

Die nicht widerlegbare Überzeugung (=Wahn), dass man selbst von außen kontrolliert oder beeinflusst wird. Das Gefühl, dass die eigenen Bewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen von außen "gemacht" werden.

Das Hören von (nicht vorhandenen) Stimmen, die die eigenen Handlungen kommentieren, Befehle geben oder mit bzw. über die eigene Person reden, und die als von außen oder einem Teil des Körpers kommend erlebt werden.          

Anhaltende, nicht widerlegbare Überzeugungen, die nicht durch den persönlichen oder kulturellen Hintergrund des Einzelnen erklärbar sind oder völlig unrealistisch sind, z.B. der Wahn, das Wetter kontrollieren zu können oder eine bestimmte religiöse Figur zu sein. 

Anhaltende Halluzinationen jeder Art, d.h. des Hörens, des Riechens, des Sehens, der Körperempfindung etc., die von dem Betroffenen für real gehalten werden und von wahnhaften Gedanken über ihre Entstehung begleitet werden. Diese Empfindungen sollten täglich über Wochen oder Monate auftreten.       

Das Abreißen von Gedanken, d.h. das nicht zu Ende denken können eines Gedanken, weil er während des Denkens verschwindet oder aber immer neue Ablenkungen des Denkens, die es unmöglich machen, einem Gedanken anhaltend zu folgen. Das kann zu einem Danebenreden, zu neuen Wortschöpfungen und zu einer Zerfahrenheit des Denkens führen. 

"Katatone" Symptome wie unverständliche, das "normale" Maß völlig übersteigende Erregung oder aber das Gegenteil, d.h. Zustände, in denen der Betroffenen in keiner Weise mehr mit der Umwelt in Verbindung tritt, nicht mehr auf Ansprache und letztendlich nicht einmal mehr auf Schmerzreize reagiert.        

"Negative" Symptome wie eine Verarmung im Gefühlsleben und der Erlebnisfähigkeit, auffallender Mangel an Initiative und andere, die meistens mit einem sozialen Rückzug und einer verminderten sozialen Leistungsfähigkeit verbunden sind. Diese Symptome dürfen nicht durch eine Depression oder eine Behandlung verursacht sein           .

Eine anhaltende und durchgängige Veränderung der Persönlichkeit des Betroffenen, die sich in Ziellosigkeit, Trägheit, einer sich selbst verlorenen Haltung und sozialen Rückzug darstellt.

Alle oben genannten Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Vor der Diagnose einer Schizophrenie müssen daher andere Störungen wie z.B. bestimmte Arten von Rauschzuständen auf Grund der Einnahme von Drogen oder ein körperlicher Schaden am Gehirn als Ursache der Erkrankung ausgeschlossen sein. Dann reicht es aus, wenn 1 Symptom der Gruppe 1-4 oder mindestens 2 Symptome der Gruppe 5-8 über mindestens einen Monat eindeutig ausgeprägt sind.

Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln keine schizophrenen Störungen.

 

Skript Psychopathologie - Möller, H.-J., Laux, G. & Deister, A. (1996)

 

Methodenblätter:

Schizophrenie

schizoaffektive Psychose

Formen der Schizophrenie

Aufbau der Nervenzelle

 

Hinweis: Die hier niedergelegten Arbeitsblätter vermitteln Ihnen erste Hilfsmittel für die kunsttherapeutische Arbeit. Sie stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und werden regelmäßig modifiziert.