Seminar 6: Intelligenzstörungen und Entwicklungsstörungen

In der Medizin unterscheidet man im Bereich der Beeinträchtigungen kognitiver Leistungsfähigkeit die angeborene und erworbenen Intelligenzstörungen.

 

Folgende Begiffe dienen der Unterscheidung:

Angeborene Intelligenzstörungen (Oligophrenie) durch pränatle Ursachen (z.B. Chromosomenabweichungen, Röteln). Folgende Stufen der Intelligenzabweichungen (ausgehend von IQ 100 = durchschnittliche Intelligenz) werden unterschieden:

  • Grenzdebilität IQ unter 85
  • Debilität IQ 50-70   
  • Imbezillität IQ 20-50   
  • Idiotie unter 20      

Abzugrenzen ist die Pseudodebilität (z.B. Ganser-Symdrom).

 

Erworbene Intelligenzstörungen (in der Regel verursacht durch Gehirnabbau in Folge körperlich bedingte Erkrankungen):

  • Hirntrauma
  • Morbus Alzheimer
  • Vaskuläre Demenz ( Hirninfarkt/Schlaganfall als Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn)
  • Korsakow – Syndrom (Verursachung durch Alkohol)
  • Wernicke Encephalitis (Entzündungen und Blutung in den Wernike-Arrealen)

Abzugrenzen ist die Pseudodemenz (z.B. bei Depressionen im Alter).

 

 

ICD-10 F70-F79 Intelligenzstörung

Ein Zustand von verzögerter oder unvollständiger Entwicklung der geistigen Fähigkeiten; besonders beeinträchtigt sind Fertigkeiten, die sich in der Entwicklungsperiode manifestieren und die zum Intelligenzniveau beitragen, wie Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten. Eine Intelligenzstörung kann allein oder zusammen mit jeder anderen psychischen oder körperlichen Störung auftreten.

Der Schweregrad einer Intelligenzstörung wird übereinstimmungsgemäß anhand standardisierter Intelligenztests festgestellt. Diese können durch Skalen zur Einschätzung der sozialen Anpassung in der jeweiligen Umgebung erweitert werden. Diese Messmethoden erlauben eine ziemlich genaue Beurteilung der Intelligenzstörung. Die Diagnose hängt aber auch von der Beurteilung der allgemeinen intellektuellen Funktionsfähigkeit durch einen erfahrenen Diagnostiker ab.

Intellektuelle Fähigkeiten und soziale Anpassung können sich verändern. Sie können sich, wenn auch nur in geringem Maße, durch Übung und Rehabilitation verbessern. Die Diagnose sollte sich immer auf das gegenwärtige Funktionsniveau beziehen.

 

Sollen begleitende Zustandsbilder, wie Autismus, andere Entwicklungsstörungen, Epilepsie, Störungen des Sozialverhaltens oder schwere körperliche Behinderung angegeben werden, sind zusätzliche Schlüsselnummern zu benutzen.

Info.:

F70.- Leichte Intelligenzminderung

F71.- Mittelgradige Intelligenzminderung

F72.- Schwere Intelligenzminderung

F73.- Schwerste Intelligenzminderung

F74.- Dissoziierte Intelligenz

F78.- Andere Intelligenzminderung

F79.- Nicht näher bezeichnete Intelligenzminderung


Was sind Entwicklungsstörungen? 

Entwicklungsstörungen bei Kindern äußern sich in gering ausgebildeten Funktionen in einem oder mehreren verschiedenen Bereichen des Lebens. Handelt es sich um geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern, ist die Intelligenz oft vermindert.

Das Denken ist verlangsamt und das emotionale Verhalten ist gestört. Zudem äußern sich Entwicklungsstörungen bei Kindern in einem schlechten Sprachverständnis. Auch das Sprachvermögen ist zurückgeblieben. Betroffene Kindern können sich zudem schlecht selbst versorgen.

Treten motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern auf, steht ein ungeschicktes Verhalten besonders bei komplexen Bewegungsabläufen im Vordergrund. Malen und Basteln sind beispielsweise problematisch ebenso wie Ballspiele oder das Springen auf einem Bein. Immer sind die betroffenen Kinder in ihrer Entwicklung auffällig hinter Gleichaltrigen zurück.

Von Entwicklungsstörungen bei Kindern betroffen sind rund drei Prozent aller Kinder in Deutschland. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

 

Ursachen für Entwicklungsstörungen

Entwicklungsstörungen bei Kindern haben nicht immer erkennbare Ursachen. Motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern werden manchmal vererbt. Ursächlich können auch schädliche Einflüsse um die Geburt herum sein, wie ein Sauerstoffmangel. Entwicklungsstörungen bei Kindern können auch durch Hirnfehlbildungen hervorgerufen werden.

Geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern sind fast immer angeboren oder entstehen durch eine Infektion während der Schwangerschaft. Auch Hirnhautentzündungen, ein schwerer Unfall mit Schädelverletzungen sowie Erkrankungen des Stoffwechsels können ausschlaggebend sein.

Bekannt ist, dass ein erlebtes Trauma Entwicklungsstörungen bei Kindern auslösen kann. Nicht selten ist auch der schlechte Lebenswandel der Mutter für eine geistige und körperliche Fehelntwicklung verantwortlich. Rauchen, Drogen und Alkoholkonsum können während der Schwangerschaft gravierende Entwicklungsstörunges des Kindes begünstigen.

Manchmal wird auch keine Ursache für Entwicklungsstörungen bei Kindern gefunden.

 

Diagnose und Verlauf bei Entwicklungsstörungen

Entwicklungsstörungen bei Kindern werden oft vom Psychologen, Kinderarzt oder Krankengymnasten erkannt. Der Entwicklungsstand des Kindes wird geprüft und anhand eines Punktesystems eingeschätzt.

Die Diagnose Entwicklungsstörungen bei Kindern sollte niemals allein, sondern immer im Team getroffen werden. Fehleinschätzungen und daraus resultierende falsche Maßnahmen sollen vermieden werden. Manche Kinder sind einfach Spätzünder. Dies darf nicht dazu führen, dass sie vorzeitig den Stempel "entwicklungsgestört" erhalten.

Manche Laien gehen davon aus, dass sich Entwicklungsstörungen bei Kindern auswachsen werden. Das ist falsch. Geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern können nicht geheilt werden. Lediglich leichte motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern können durch viel Bewegung verbessert werden. Generell müssen Entwicklungsstörungen bei Kindern so rasch wie möglich erkannt und richtig behandelt werden.

 

Behandlung und Therapie von Entwicklungsstörungen

Leichte Entwicklungsstörungen bei Kindern verlaufen unter der richtigen Therapie positiv. Geringe motorische Defizite können tatsächlich mit viel Übung dauerhaft verschwinden. Geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern können nicht therapiert werden.

Häufig wird zur Behandlung Eurythmie, Kunsttherapie, Ergotherapie eingesetzt. Ein Alarmsignal für Entwicklungsstörungen bei Kindern ist immer eine verzögerte Sprachentwicklung. Dies erkennt der Kinderarzt bei den planmäßigen Untersuchungen. Bereits mit zwei Jahren sind in diesem Bereich die Entwicklungsstörungen bei Kindern sichtbar. Sprachstörungen werden von den Logopäden behandelt.

 

Unentbehrlich ist der Weg zum HNO-Arzt. Es ist möglich, dass Probleme beim Hören die Sprachentwicklung behindern. Bei der Therapie von Entwicklungsstörungen bei Kindern sollte immer auch an eine Steigerung des Selbstwertgefühls gedacht werden. Ein Kind, welches unterstützt und bestärkt wird, traut sich auch mehr zu. Generell sollten alle Mitmenschen darauf achten, dem Kind nicht mit Spott oder Häme entgegenzutreten. Sonst kommen schnell Ängste und Störungen im sozialen Verhalten dazu.

 

Kampfsport wie Judo, Kung Fu und Schimmen können bei motorischen Entwicklungsstörungen ebenso wie Kunsttherapie und Eurythmie helfen, den gesamten Bewegungsablauf zu verbessern. Bei den beiden bekanntesten Formen der Entwicklungsstörungen bei Kindern (Autismus und Rett-Syndrom) sind die Prognosen nicht sehr günstig. Dennoch kann der Verlauf durch entsprechende Behandlung bis zu einem bestimmten Grade positiv beeinflusst werden.