Seminar 5: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F4), Psychosomatik, Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen) (F4)

Methodenblätter, Übungsblätter

Die hier als pdf-Dateien niedergelegten Übungs- und Arbeitsblätter vermitteln Ihnen erste Hilfsmittel für die heilkundliche Arbeit.

 

Psychosomatik
Es stellt sich die Frage, wann eine Krankheit psychosomatisch ist und nach wessen Definition. Die recht stark auf den Körper fokussierte Schulmedizin lässt nur sehr wenige Krankheiten als psychosomatisch, sprich psychisch verursacht, gelten. Eigentlich nur dann, wenn der Zusammenhang so offensichtlich ist, dass er sich nicht guten Gewissens und klaren Verstandes bestreiten lässt.
So z.B. bei Patienten mit einem Magengeschwür, da diese auffallend häufig über Stress klagen. Selbst dann wird die Ursache meist nur teilweise der Psyche bzw. Psychosomatik zugeschrieben. Beim Magengeschwür findet sich sehr häufig die sogenannte Heliobacter pylori-Bakterie. Kann nun dieser Erreger nachgewiesen werden, rückt die Psyche als Ursache automatisch in den Hintergrund. Selbst bei wenig überzeugendem Schädigungsverhalten dieser Bakterie. Da der Nachweis von Heliobacter oft gelingt, gilt das Magengeschwür noch nicht generell als psychosomatische Erkrankung. Psychosomatische Beschwerden und deren Diagnose unterliegen also generell erhöhten Anforderungen. Die Psyche wird als Verursacher von Krankheit nur sekundär ins Auge gefasst.
 

So oder so ähnlich verhält es sich mit vielen Krankheiten, die offenbar wesentlich von der Psyche beeinflusst werden: Man zückt das gesamte diagnostische Instrumentarium und findet – welche Überraschung – immer einen konkreten Mitschuldigen oder auch nur Verdächtigen, z.B. irgendwelche Mikroorganismen, Durchblutungsstörungen, etwas seltsame Eiweiße, ein paar freie Radikale, geringfügig veränderte Zellen usw. Glücklich über jeden halbwegs tauglichen Fund verliert parallel dazu das Prinzip der Psychosomatik und psychosomatische Krankheiten an Bedeutung. Gleiches gilt für den Patienten und sein psychisches Befinden.  

Da kann der Patient dann oft vergeblich vom Ärger im Beruf erzählen wollen, von dem er glaubt, dass er ihm "auf den Magen schlage". Auswirkung auf die Therapie hat dieser vom Patienten selbst wahrgenommene und für Psychosomatik sprechende Umstand nur seltenst. Dieses sehr enge Verständnis einer Krankheit als psychosomatisch verhilft daher nur sehr ineffektiv zu Gesundheit und Heilung. Erfolgreiche Symptombekämpfung ja, Heilung von Krankheit nein.  

Die folgenden Krankheiten gelten in der psychosomatisch orientierten Schulmedizin als im weitesten Sinne zumindest teilweise psychosomatisch bzw. verdächtig:

  • Asthma bronchiale,
  • Migräne,
  • Neurodermitis,
  • Tinnitus,
  • Ekzeme und andere Veränderungen der Haut,
  • Schmerzen und Schmerzsyndrome, z.B. Kopfschmerz, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen;
  • vegetative Dystonie,
  • Magen-Darm-Krankheiten wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Magengeschwür (Ulcus ventriculi), Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni), Verstopfung (Obstipation), Durchfall (Diarrhoe), Übelkeit, Erbrechen;
  • Allergien,
  • kardiovaskuläre Beschwerden bzw. Herz-Kreislaufstörungen wie Herzneurose, Herzflattern, Atemlosigkeit und Bluthochdruck (Hypertonie);
  • Muskelverspannungen (Myogelose),
  • Schlafstörungen,
  • Depressionen,
  • ADS bzw. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität) 
  • Essstörungen wie Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa, kurz Bulimie) und Esssucht (Adipositas). 

       
Angesichts der riesigen Anzahl an existierenden Krankheiten und Beschwerden ist diese Auflistung von noch nicht mal vollständig als psychosomatisch anerkannten Erkrankungen äußerst spärlich.

  

Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)
und Somatisierungsstörungen

Dissoziation bedeutet zunächst einmal Auflösung, Trennung oder Zerfall und ist das Gegenteil von Assoziation, von Verbindung und Verknüpfung. Dissoziation ist nach der Definition ein komplexer seelisch-körperlicher Prozess, bei dem es zu einer Trennung und Abspaltung des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Wahrnehmung von sich selbst und der Umwelt kommt.
 

Bei wiederholter Einwirkung von Stressoren im Kindesalter wird die natürliche Fähigkeit zur Dissoziation in besonderer Weise verstärkt.
 

Bei andauernden und schweren traumatischen Einwirkungen kann es so zu einer fortgesetzten Abkapselung von Erinnerungsmustern kommen, die die Basis für die Ausformung von Alternativ-Persönlichkeiten bildet. Schwere und Qualität des Traumas, Länge und Wiederholungen der Einwirkungen und die Assoziationsfähigkeiten des Kindes bestimmen das Ausmaß der Dissoziativen Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeit).   

Bei Patienten mit dissoziativen Störungen findet man regelhaft schwere frühkindliche Traumatisierungen, worunter nach verschiedenen Studien neben psychischer, physischer und sexueller Traumatisierung auch Vernachlässigung im Kindesalter zu rechnen ist. Die Dissoziation ist eine Überlebensstrategie, die dem Individuum hilft, mit den  überwältigenden traumatischen Erfahrungen fertig zu werden. Die Diagnosestellung ist nicht immer einfach. Viele Patienten kommen in die Behandlung nicht wegen der dissoziativen Symptome, sondern wegen Angst, Depressionen, Essstörungen oder Beziehungsstörungen. Viele Betroffene versuchen auch, diese Symptome zu verstecken, weil sie kein Vertrauen zu Ärzten und Therapeuten haben und aus Angst, möglicherweise für verrückt gehalten zu werden. 

 

Subtypen sind:

  • dissoziative Amnesie (F44.0)
  • dissoziative Fugue (F44.1)
  • dissoziativer Stupor (F44.2)
  • Trance- und Besessenheitszustände (F44.3)
  • dissoziative Bewegungsstörungen (F44.4)
  • dissoziative Krampfanfälle (F44.5)
  • dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung (F44.6)
  • gemischte dissoziative Störungen (F44.7)
  • sonstige dissoziative Störungen (F44.8) (Ganser-Syndrom, multiple Persönlichkeit)
       

Methodenblätter, Übungsblätter

Die hier als pdf-Dateien niedergelegten Übungs- und Arbeitsblätter vermitteln Ihnen erste Hilfsmittel für die heilkundliche Arbeit.
 

Dissoziative Störungen-Kurzerklärung

Konversionsstörungen

F45 Somatisierungsstörung

Somatoforme Störungen

Psychosomatik

 

Siehe auch zur Differenzialdignostik

Psychosoziale Kunsttherapie bei Konversionsstörungen

Das Borderline-Syndrom